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Erwerbsminderungsrente

Erwerbsminderungsrente

Wissenswertes zur Erwerbsminderungsrente

Erwerbsminderungsrente für gesetzlich Rentenversicherte

Als Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung haben Sie Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente. Wer dauerhaft keiner Beschäftigung mehr nachgehen kann und bestimmte Voraussetzungen erfüllt, erhält die gesetzliche Unterstützung. Im folgenden Ratgeber der HanseMerkur erfahren Sie Wissenswertes rund um die Erwerbsminderungsrente.

Denken Sie daran: Es kann jeden treffen

Niemand denkt gern darüber nach, aber ein Unfall oder eine schwere Erkrankung können jeden treffen. Unter Umständen wiegen die Folgen so schwer, dass Betroffene ihren Job aufgeben müssen. Trifft es den Hauptverdiener der Familie, steht die Existenz aller auf dem Spiel. Zu den gesundheitlichen Problemen kommen finanzielle Sorgen, denn die Lebenshaltungskosten bleiben bestehen. Erfüllen Sie bestimmte Voraussetzungen, erhalten Sie eine volle oder eine halbe Erwerbsminderungsrente.

Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente

Damit die Rentenversicherung eine Rente wegen Erwerbsminderung zahlt, sind gewisse Voraussetzungen zu erfüllen.

Bei den Versicherungszeiten gibt es für Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und Krankheiten oder Schäden durch den Wehr- und Bundesfreiwilligendienst eine Ausnahme: Kommt es in deren Folge zu einer Arbeitsunfähigkeit, reicht bereits die Zahlung eines Beitrags aus.

Auf die fünfjährige Wartezeit bis zur Rentenübernahme werden verschiedene Phasen wie Arbeitslosenzeit, Kindererziehungszeiten, Zeiten häuslicher Pflegeleistungen oder Krankengeldphasen einbezogen.

Das Sechste Sozialgesetzbuch bildet die rechtliche Grundlage für die Erwerbsminderungsrente (SGB VI § 43).

FAQ zum Thema Erwerbsminderung

  • Was ist der Unterschied zwischen teilweiser und voller Erwerbsminderung? Mögliche Arbeitszeit entscheidet über die EM-Rente

    Betroffene, die täglich nicht sechs Stunden arbeiten können, jedoch für mindestens drei Stunden täglich einer Beschäftigung nachgehen können, erhalten eine teilweise Erwerbsminderung. Dabei geht es nicht darum, dass der Betroffene in seinem eigentlichen Beruf tätig sein muss, sondern auch einer anderen Arbeit nachgehen könnte. Diese Regelung gilt für Versicherte, die nach 1961 geboren wurden.

    Die Voraussetzungen für eine volle Erwerbsminderung sind gegeben, wenn der Betroffene auf nicht absehbare Zeit weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann. Es besteht ein Anspruch auf volle Erwerbsminderungsrente. Besondere Regelungen gelten für behinderte Menschen, für Arbeitslose und für Menschen, die trotz voller Erwerbsminderung einen Nebenjob ausüben wollen.

  • Gibt es Sonderregelungen bei der Erwerbsminderungsrente? Berufsschutz für vor dem 01.01.1961 geborene Versicherte

    Für Versicherte, die vor 1961 geboren wurden, gibt es eine Ausnahme: Sie erhalten eine Erwerbsminderungsrente, wenn sie weniger als sechs Stunden täglich in ihrem erlernten Beruf oder einem gleichwertigen arbeiten können.

  • Für welchen Zeitraum zahlt der Rentenversicherer die Erwerbsminderungsrente? Befristete Bescheide bis zum Eintritt der Altersrente

    Bescheide für die Rente wegen Erwerbsminderung sind befristet – maximal erhalten Sie die Rente bis zum Eintritt der Regelaltersrente. Überschreiten Sie diese Grenze, zahlt der Rentenversicherungsträger die normale Altersrente.

    In der Regel sind Renten wegen Erwerbsminderung auf einen Zeitraum von drei Jahren befristet. Wer auch darüber hinaus nicht arbeitsfähig ist, muss rechtzeitig einen Antrag auf Weiterzahlung stellen. Nur wenn davon auszugehen ist, dass der Gesundheitszustand sich nicht verbessert, wird ein längerer Bescheid erteilt.

  • Was ist die Zurechnungszeit? Für die Berechnung der Entgeltpunkte wichtig

    Die Zurechnungszeit ist besonders für Versicherte interessant, die in jungen Jahren vermindert erwerbsfähig werden. Für die Ermittlung der Erwerbsminderungsrente werden nicht nur die Zeiten der eigenen Renten-Beitragsleistungen berücksichtigt. Es kommt - abhängig vom Rentenbeginn - die Zurechnungszeit hinzu:

    • Rentenbeginn vor dem 1. Juli 2014: Zurechnungszeit bis zum 60. Lebensjahr
    • Rentenbeginn zwischen 1. Juli 2014 und 31.12.2017: 62. Lebensjahr
    • Rentenbeginn ab 1. Januar 2018: 62. Lebensjahr und 3 Monate
     

    Liegt der Rentenbeginn ab dem 1. Januar 2018 wird bei der Berechnung angenommen, der Versicherte hätte bis zum 62. Lebensjahr plus 3 Monate eigene Entgeltpunkte erwirtschaftet.

  • Was passiert, wenn keine Teilzeitarbeit verfügbar ist? Berücksichtigung der aktuellen Arbeitsmarktsituation

    Rentenversicherte, die mindestens drei Stunden, aber weniger als sechs Stunden täglich arbeiten können, erhalten eine halbe Erwerbsminderungsrente. Unter Umständen gibt es jedoch keine entsprechenden Teilzeitarbeitsplätze für diese Betroffenen. In diesen Fällen ist die Zahlung einer vollen Erwerbsminderungsrente möglich – das heißt, auch der Arbeitsmarkt wird bei Gewährung der Rente berücksichtigt.

  • Wie hoch fällt die Erwerbsminderungsrente aus? Rentenhöhe ist von den Versicherungsjahren abhängig

    Mit welcher Erwerbsminderungsrente Sie rechnen können, steht in der jährlichen Information der Rentenversicherung. Wie hoch die Zahlungen ausfallen, ist von Ihrem aktuellen Rentenanspruch abhängig. Ihre persönlichen Entgeltpunkte und der aktuelle Rentenwert spielen bei der Berechnung eine Rolle.

    Die Deutsche Rentenversicherung hat zur Höhe der Rente bei Erwerbsminderung ein Beispiel veröffentlicht. Die Versicherung geht in dieser Kalkulation von einem Jahresdurchschnittsverdienst von 32.873 Euro aus. Der Versicherte würde wie in der Übersicht dargestellt nach 25, 30 und 35 Versicherungsjahren (VJ) die angegebenen monatlichen Renten erhalten. Zusätzlich entnehmen Sie der Übersicht, wie sich die Erwerbsminderungsrente verändert, wenn der Versicherte 70 beziehungsweise 130 Prozent des angenommenen Durchschnittsverdienstes bezieht. Die angegebenen Werte sind gültig bis Juni 2019.

    • Unterdurchschnittl. Jahresverdienst von 23.011 € (Alte Bundesländer/neue Bundesländer)
    560,63 € / 537,08 € (25 VJ)
    672,63 € / 644,49 € (30 VJ)
    784,74 € / 751,91 € (35 VJ)

    • Durchschnittl. Jahresverdienst von 32.873 € (Alte Bundesländer/neue Bundesländer)
    800,75 € / 767,25 € (25 VJ)
    960,90 € / 920,70 € (30 VJ)
    1.121,05 € / 1.074,15 € (35 VJ)

    • Überdurchschnittl. Jahresverdienst von 42.734 € (Alte Bundesländer/neue Bundesländer)
    1.040,98 € / 997,43 € (25 VJ)
    1.249,17 € / 1.196,91 € (30 VJ)
    1.457,37 € / 1.396,40 € (35 VJ)

Checkliste für die Beantragung der Erwerbsminderungsrente

Viele Anträge auf Erwerbsminderungsrente werden vom Versicherungsträger im ersten Anlauf abgelehnt. Idealerweise beantragen Sie Ihre Rente gemeinsam mit einem Berater der Deutschen Rentenversicherung, der Sie beim Ausfüllen des Antrags unterstützt. Zudem sind weitere Punkte wichtig:

Nutzen Sie die Möglichkeit, Ihr Konto bei der Deutschen Rentenversicherung rechtzeitig zu klären. Den Antrag auf Kontenklärung erhalten Sie direkt bei Ihrem Versicherungsträger. Auf diese Weise klären Sie Lücken im Versicherungsverlauf rechtzeitig – sollten Sie eine Rente wegen Erwerbsminderung beantragen müssen, vermeiden Sie damit lange Bearbeitungszeiten.

Planen Sie rechtzeitig, um den finanziellen Alltag zu sichern

Die Höhe der Erwerbsminderungsrente ist abhängig von verschiedenen Faktoren – unter Umständen erhalten Sie nur eine halbe Rente, wenn Sie noch mindestens drei Stunden täglich arbeiten können. Die Zahlungen reichen in der Regel nicht aus, um den finanziellen Alltag zu bewältigen. Auch erhalten alle nach dem 1. Januar 1961 Geborene die gesetzliche Erwerbsminderungsrente nur bei tatsächlicher Erwerbsunfähigkeit und nicht bei Berufsunfähigkeit. Sinnvoll ist daher eine zusätzliche Vorsorge mit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung.