Zum Inhalt wechseln
Private Pflegeversicherung sinnvoll?

Private Pflegeversicherung sinnvoll?

Lohnt es sich, eine private Vorsorge zu treffen?
  • Warum privat vorsorgen?
  • Leistungen der gesetzlichen Versicherung
  • Finanzielle Lücke in der Pflege

Ist eine private Pflegeversicherung sinnvoll?

Seit dem Inkrafttreten des Zweiten Pflegestärkungsgesetztes 2017 hat sich für einige Pflegebedürftige eine Verbesserung in den Pflegeleistungen ergeben, beispielsweise für Demenzkranke oder Personen mit psychischen Erkrankungen. Aus diesem Grund stellen sich viele die Frage, ob eine private Pflegeversicherung sinnvoll ist und welchen Vorteil eine zusätzliche private Absicherung bietet. Um eine objektive Einschätzung vornehmen zu können, ist es wichtig zu prüfen, welche Leistungen die gesetzliche Pflegeversicherung tatsächlich übernehmen und wie hoch die monatlichen Pflegekosten tatsächlich sein können.

Das zweite Pflegestärkungsgesetz ab 2017

Das neue Pflegestärkungsgesetz hat viele Änderungen mit sich gebracht. So haben sich beispielsweise die Kriterien für die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit geändert und statt 3 Pflegestufen gibt es jetzt 5 Pflegegrade. Das Zweite Pflegestärkungsgesetz wird in diesem Video kurz und knapp erklärt.

Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung ab 2017Leistungen - Gesetzliche Pflegeversicherung

Die gesetzlichen Leistungen sind abhängig vom Pflegegrad
Pflegegrad Ambulante Pflege durch Angehörige* Ambulante Pflege durch Pflegekraft* Stationäre Pflege (Pflegeheim)
Pflegegrad 1

Pflegegrad 1

125 EUR

Pflegegrad 2

Pflegegrad 2

316 EUR

689 EUR

770 EUR

Pflegegrad 3

Pflegegrad 3

545 EUR

1.298 EUR

1.262 EUR

Pflegegrad 4

Pflegegrad 4

728 EUR

1.612 EUR

1.775 EUR

Pflegegrad 5

Pflegegrad 5

901 EUR

1.995 EUR

2.005 EUR

Ambulante Pflege durch Angehörige*

Pflegegrad 1

Pflegegrad 2

316 EUR

Pflegegrad 3

545 EUR

Pflegegrad 4

728 EUR

Pflegegrad 5

901 EUR

Ambulante Pflege durch Pflegekraft*

Pflegegrad 1

Pflegegrad 2

689 EUR

Pflegegrad 3

1.298 EUR

Pflegegrad 4

1.612 EUR

Pflegegrad 5

1.995 EUR

Stationäre Pflege (Pflegeheim)

Pflegegrad 1

125 EUR

Pflegegrad 2

770 EUR

Pflegegrad 3

1.262 EUR

Pflegegrad 4

1.775 EUR

Pflegegrad 5

2.005 EUR

*Pflegebedürftige, die ambulant gepflegt werden (von Angehörigen oder einer Pflegekraft) haben Anspruch auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich. Dieser wird zusätzlich zu den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung für alle Pflegegrade (1 bis 5) gewährt.

Finanzielle Lücke in der gesetzlichen Versicherung

Wer sich die Pflegeleistungen für die unterschiedlichen Pflegegrade ansieht wird sehr schnell feststellen, dass sich eine finanzielle Lücke ergibt. Zwar werden bei Pflegestufe 5 und stationärer Pflege 2.005 Euro Pflegegeld bezahlt, die tatsächlichen Kosten für die Unterbringung im Pflegeheim liegen jedoch weitaus höher. Denn die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt nur festgelegte Kosten für die Pflege, nicht für die Unterbringung und Verpflegung. Diese sogenannten „Hotelkosten“ können schnell hohe Summen erreichen und auch die anfallenden Pflegekosten sind nicht immer vollständig abgedeckt.

Beispielrechnung - Ihr Eigenanteil zur PflegeBeispielrechnung Pflege

Lücke - Ambulante Pflege Pflegegrad 3

Ambulante Pflege bei Pflegegrad 3: Wer ambulant gepflegt wird und den Pflegegrad 3 hat, muss für 2 Stunden tägliche Pflege etwa 2.400 Euro im Monat bezahlen. Die Leistungen der gesetzlichen Versicherungen betragen insgesamt 1.423 Euro (1.298 Euro Pflegegeld plus 125 Euro Entlastungsbetrag). Dadurch entsteht eine monatliche Lücke in Höhe von 1.000 Euro, die sich pro Jahr auf 12.000 Euro summiert. In 5 Jahren ergibt sich ein Eigenanteil von 60.000 Euro.

Lücke - Stationäre Pflege Pflegegrad 4

Stationäre Pflege bei Pflegegrad 4: Wer stationär bei Pflegegrad 4 gepflegt wird, muss mit etwa 3.500 Euro monatlichen Pflegekosten rechnen. Die gesetzliche Versicherung zahlt ein Pflegegeld in Höhe von 1.775 Euro. Dadurch ergibt sich jeden Monat eine finanzielle Lücke in Höhe ca. 1.700 Euro, die sich pro Jahr auf über 20.000 Euro summiert. In 5 Jahren kommt so ein Eigenanteil von mehr als 100.000 Euro zusammen.

Fazit - Ist eine private Pflegeversicherung sinnvoll?

Die Frage, ob eine private Pflegeversicherung sinnvoll ist, muss sicher jeder für sich selbst beantworten. Die Beispielrechnungen zeigen jedoch, dass zwischen der Pflegeleistung durch die gesetzliche Versicherung und den tatsächlich anfallenden  Pflegekosten eine große Lücke entsteht, die viele nicht alleine durch ihre Rente und dem Ersparten überbrücken können.

Ein Vorteil der privaten Pflegezusatzversicherung ist sicher, dass das monatliche Pflegegeld, welches im Pflegefall ausgezahlt werden soll, individuell festgelegt werden kann. So lässt sich der Betrag auf die eigene finanzielle Situation ausrichten und anpassen. Dabei können die eigene Rentenhöhe, Rentenleistungen aus privaten oder betrieblichen Rentenversicherung, Kapitalerträge aus Geldanlagen und Miet- oder Zinseinkünfte berücksichtigt werden.