Was ist Parodontose und wie erfolgt die Behandlung?

Informieren Sie sich über Parodontose bzw. Zahnfleischrückgang

Zahnfleischrückgang ist ein verbreitetes Problem der Mundgesundheit und entwickelt sich häufig schleichend. Laut 6. Deutscher Mundgesundheitsstudie (DMS 6 Mai 2025) leiden in Deutschland 14 Millionen Menschen an behandlungsbedürftigen schweren Parodontalerkrankungen.

Betroffene bemerken zunächst nur kleine Veränderungen am Zahnfleisch oder an den Zähnen. Wird das Zahnfleisch jedoch dauerhaft zurückgedrängt, können empfindliche Zahnhälse freiliegen und die Zahngesundheit beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, mögliche Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu handeln. Informieren Sie sich über die Ursachen des Zahnfleischrückgangs, die Parodontose-Behandlung und welche Maßnahmen der Vorbeugung dienen.

Wichtige Kurzinfos zum Thema Parodontose (Zahnfleischrückgang):

  • Was ist Parodontose wirklich? Parodontose ist umgangssprachlich meist eine Parodontitis – eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats.
  • Typische Symptome und Ursachen: Blutendes Zahnfleisch, Mundgeruch und lockere Zähne. Auslöser der Parodontose sind bakterielle Beläge, schlechte Mundhygiene, Rauchen und ein geschwächtes Immunsystem.
  • Folgen für Zähne und Körper: Parodontose greift nicht nur das Zahnfleisch an, sondern kann auch den Kieferknochen schädigen und über den Blutkreislauf Erkrankungen begünstigen.
  • Parodontose-Behandlung: Die Therapie umfasst Diagnose, Tiefenreinigung und je nach Einzelfall chirurgische Maßnahmen.
  • Vorsorge-Tipps: Parodontose lässt sich durch konsequente Mundhygiene, regelmäßige Zahnarztbesuche und einen gesunden Lebensstil verhindern.

Was ist Parodontose?

Parodontitis – umgangssprachlich oft als Parodontose bezeichnet – ist eine ernsthafte Entzündung des Zahnhalteapparats. Sie greift nicht nur das Zahnfleisch an, sondern betrifft das gesamte Gewebe, das den Zahn im Kieferknochen verankert.

Bleibt eine Parodontose unbehandelt, zerstören die chronischen Entzündungsprozesse nach und nach das Stützgewebe. Das Zahnfleisch zieht sich zurück, die Haltefasern lösen sich auf und der Zahn verliert seinen Halt. Er beginnt zu wackeln und kann schließlich ausfallen.

Was ist der Unterschied zwischen Parodontose und Parodontitis? 

Der Begriff Parodontose wird im allgemeinen Sprachgebrauch meist für Parodontitis verwendet. Medizinisch bezeichnet Parodontose ursprünglich einen seltenen, nicht-entzündlichen Rückgang des Zahnhalteapparates. In der Praxis ist heute nahezu immer die entzündliche Parodontitis gemeint. In diesem Ratgeber sprechen wir von Parodontose im Sinne einer Parodontitis.

Ursachen und Symptome von Parodontose

Parodontose – medizinisch korrekt: Parodontitis – entsteht durch bakterielle Zahnbeläge, die eine Entzündung des Zahnfleischs (Gingivitis) auslösen. Greift diese Entzündung auf das umliegende Gewebe über, beginnt der Zahnhalteapparat zu schwinden.

Zu den typischen Symptomen einer Parodontose gehören:

  • gerötetes, geschwollenes oder blutendes Zahnfleisch
  • anhaltender Mundgeruch oder unangenehmer Geschmack
  • zurückgehendes Zahnfleisch und sichtbare Zahnhälse
  • empfindliche Zähne oder Schmerzen beim Kauen
  • lockere Zähne oder Zahnwanderungen

Mögliche Auslöser einer Parodontose:

Schlechte Mundhygiene, Rauchen, Stress und bestimmte Erkrankungen fördern das bakterielle Ungleichgewicht. Einige Keime produzieren Giftstoffe, die das Immunsystem herausfordern und die Entzündung verstärken. Auch genetische Faktoren und ein geschwächtes Immunsystem können den Verlauf einer Parodontose beschleunigen.

Wie häufig ist Parodontitis?

Die 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6) aus Mai 2025 bestätigt, dass in Deutschland insgesamt etwa 14 Millionen Menschen an behandlungsbedürftigen schweren Parodontalerkrankungen leiden. Die Schwere der Erkrankung variiert in den Altersgruppen deutlich.

  • 35 bis 44 Jahre: 95,1 Prozent der jüngeren Erwachsenen haben Parodontitis, wobei der Großteil von frühen Formen betroffen ist. 31,6 Prozent entfallen auf Stadium I, was als Übergang von Gingivitis und Parodontitis gedeutet werden kann. Jedoch entfallen 13,6 Prozent auf Stadium III und 3,9 Prozent auf Stadium IV. Beides sind weit fortgeschrittene Erkrankungsformen.
  • 65 bis 74 Jahre: In dieser Altersgruppe zeigen 52,7 Prozent schwere Formen der Parodontitis. 26,3 Prozent weisen Stadium III und 26,4 Prozent Stadium IV auf.

Stadien und Grade der Parodontitis

Parodontitis wird nach Schweregrad und Komplexität in vier Stadien unterteilt. Um die Progressionsrate bzw. das Risiko festzulegen, wird zusätzlich der Grad der Parodontitis bestimmt. Grundlage ist die aktuelle Klassifikation von 2018 (European Federation of Periodontology, einen Überblick finden Sie auf dgparo.de). Dabei geht es unter anderem um folgende Faktoren:

Stadien Parodontitis

 Stadium IStadium IIStadium IIIStadium IV
Röntgenologischen Knochenabbauweniger als 15 %15 bis 33 %mehr als 33 %
Interdentaler klinischer Attachmentverlust (CAL)1 bis 2 mm3 bis 4 mm5 mm oder mehr
Zahnverlust aufgrund von ParodontitisNicht zutreffendNicht zutreffendbis zu 4 Zähne5 Zähne und mehr
Weitere Faktoren, u. a.  vertikale Knochendefekte 
Furkationsbefall
schwere Kaufunktionsstörungen 
ausgeprägte Zahnwanderung

Grade Parodontitis

Grad AGrad BGrad C
Langsame ProgressionModerate ProgressionSchnelle Progression
Geringer Knochenverlust im Verhältnis zum AlterKnochenverlust entspricht dem AlterÜberdurchschnittlicher Knochenverlust im Verhältnis zum Alter
Nichtraucher Raucher (bis 10 Zigaretten/Tag)Raucher (10 oder mehr Zigaretten/Tag)
oderoderoder
kein Diabetes mellitus oder gut kontrolliertDiabetes HbA1c < 7 %Schlecht eingestellter Diabetes (HbA1c von 7 % oder höher)

Welche Folgen hat Parodontose für Zähne und Zahnhalteapparat?

Bleibt eine Parodontose bzw. Parodontitis unbehandelt, hat das weitreichende Folgen für Zähne und Zahnhalteapparat. Das Zahnfleisch zieht sich zurück, empfindliche Zahnhälse liegen frei und reagieren schmerzhaft auf äußere Reize. Gleichzeitig entstehen durch die Parodontose tiefe Zahnfleischtaschen, in denen sich Bakterien ungehindert vermehren können. Auch der Kieferknochen beginnt sich zurückzubilden.

Mit fortschreitender Entzündung steigt das Risiko, dass sich einzelne Zähne lockern oder ganz ausfallen. Der Körper und das Immunsystem stehen durch die Entzündungsprozesse unter Dauerstress. Gelangen Bakterien und deren Giftstoffe in den Blutkreislauf, kann eine Parodontose auch außerhalb der Mundhöhle Schäden verursachen.

Studie zur Parodontitis

Eine aktuelle Studie der Universität Umeå zeigt, dass Parodontitis mit Veränderungen entzündungsrelevanter Proteine im Blut assoziiert ist. Besonders auffällig waren niedrigere Konzentrationen des Proteins OLR-1 bei den Parodontitis-Patienten; OLR-1 wird auch im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Analysiert wurden 478 Personen mit schwerer Parodontitis und 509 parodontal gesunde Kontrollpersonen. Anhand eines charakteristischen Serum-Proteinprofils konnten die Parodontitis-Fälle mit hoher Genauigkeit von den gesunden Kontrollpersonen unterschieden werden. Die Studie finden Sie hier: Studie der Universität Umeå (PerioGene North Study)

Parodontose-Behandlung: Ablauf und Dauer

Die Behandlung einer Parodontose bzw. Parodontitis folgt einem strukturierten Ablauf, richtet sich aber auch individuell nach dem Schweregrad der Entzündung. Ziel ist es, die bakteriellen Entzündungsherde zu beseitigen und den Zahnhalteapparat langfristig zu stabilisieren.

Diagnose der Parodontitis

Zu Beginn steht die Diagnose: Der Zahnarzt misst die Tiefe der Zahnfleischtaschen, prüft die Lockerung einzelner Zähne und erstellt gegebenenfalls Röntgenaufnahmen. Anschließend erfolgt eine gründliche Zahnreinigung, bei der dem Patienten harte und weiche Beläge entfernt werden – sowohl oberhalb als auch unterhalb des Zahnfleischrands.

Ablauf der Parodontose-Behandlung

Die professionelle Behandlung der Parodontose umfasst mehrere Schritte: Dazu gehören die Reinigung der Zahnfleischtaschen, die Glättung der Wurzeloberflächen (sogenanntes „Root Planning“) und bei Bedarf auch chirurgische Maßnahmen wie die Entfernung tiefer Entzündungsherde oder der Wiederaufbau von Knochengewebe.

Dauer der Behandlung

Die Dauer der Parodontose-Behandlung variiert: In der Regel sind mehrere Sitzungen notwendig, verteilt über einen Zeitraum von Wochen oder Monaten. Die Nachsorge spielt bei der Behandlung von Parodontose eine zentrale Rolle. Dazu zählen regelmäßige Kontroll- und Vorsorgetermine beim Zahnarzt, professionelle Zahnreinigungen sowie eine konsequente Mundhygiene.

Wer bezahlt eine Parodontose-Behandlung?

Krankenkassen und Parodontose-Behandlung

Seit Juli 2021 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Parodontitis-Behandlung – inklusive Vorbehandlung, Reinigung und Nachsorge. Voraussetzung ist eine dokumentierte Zahnfleischtaschentiefe von mindestens 4 Millimetern. Doch wer erst bei diesem Grenzwert reagiert, riskiert bereits fortgeschrittene Schäden am Zahnhalteapparat.

Hochwertige Parodontose-Behandlung mit einer Zahnzusatzversicherung

Sorgen Sie deshalb lieber frühzeitig vor und sichern Sie sich dabei finanziell ab – beispielsweise mit der Zahnzusatzversicherung der HanseMerkur. Je nach Tarif übernimmt diese bis zu 100 % der Kosten für hochwertige Parodontose-Behandlungen oder bis zu 2 x 100 Euro pro Kalenderjahr (Tarif EZP3) für professionelle Zahnreinigungen.

Wer Wert auf Mehr­leis­tungen und eine ausge­zeich­nete Qualität beim Zahn­arzt legt, sollte sich für eine zusätz­liche Absi­che­rung durch eine Zusatz­ver­si­che­rung entscheiden. Profi­tieren Sie von leis­tungs­starken Tarifen und redu­zierten Warte­zeiten.

Zahnzusatzversicherung

Parodontose vorbeugen: So schützen Sie sich vor Zahnfleischrückgang

Sie möchten Parodontose aktiv vorbeugen? Unsere fünf Tipps zeigen Ihnen, was Sie tun können.

  • ZutreffendGründliche Mundhygiene: Putzen Sie Ihre Zähne richtig, also mindestens zweimal täglich für zwei Minuten. Reinigen Sie die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten.
  • ZutreffendRegelmäßige Zahnarztbesuche: Lassen Sie Ihre Zahnfleischtaschen regelmäßig kontrollieren. Ihr Zahnarzt erkennt erste Entzündungszeichen und kann mit gezielten Maßnahmen gegensteuern, bevor sich eine Parodontose entwickelt.
  • ZutreffendRauchen vermeiden: Nikotin schwächt die Durchblutung des Zahnfleischs und fördert Entzündungen.
  • ZutreffendGesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Gemüse, Vollkornprodukten und wenig Zucker unterstützt die Mundflora und stärkt Ihr Immunsystem.
  • ZutreffendStress reduzieren: Dauerstress kann zu Zähneknirschen führen, das die Zahnhälse freilegt und das Zahnfleisch zusätzlich belastet.

Welche Zahnpasta eignet sich bei Parodontose? 

Spezielle Parodontose-Zahncremes helfen, Entzündungen zu reduzieren und das Zahnfleisch zu stärken. Greifen Sie zu einer Zahnpasta mit antibakteriellen Wirkstoffen wie Aminfluorid oder Zink. Zahnpasta mit Chlorhexidin sollte zeitlich begrenzt und nur auf ärztliche Empfehlung eingesetzt werden.

Parodontose stoppen, bevor sie Schaden anrichtet

Parodontose im Sinne der Parodontitis ist eine Entzündung, die den Zahnhalteapparat dauerhaft schädigen kann. Wenn Sie frühzeitig handeln, können Sie das Fortschreiten der Erkrankung stoppen oder die Parodontose sogar komplett vermeiden. Die wirksamste Strategie besteht aus einer konsequenten Mundhygiene, regelmäßigen Zahnarztbesuchen und einem gesunden Lebensstil. Denn Vorbeugung ist einfacher als jede Therapie.

Häufig gestellte Fragen zur Parodontose

Hinweis: Unsere Redaktion hat die Inhalte der Artikel mit größtmöglicher Sorgfalt recherchiert und erstellt. Die Informationen im Ratgeber dienen als Orientierungshilfe und sollen dem Leser eine erste Auskunft über verschiedene Themen geben. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass die HanseMerkur dennoch keine Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen übernimmt.
 
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