Reise durch die Kulturen: In vier Tagen um die Welt

Kulturbrücke Hamburg e.V. erhält für sein Projekt "Switch" den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2009 (Hauptpreis)

29. Januar 2010 Die Diskussion um Integration, Migration und Völkerverständigung ist zur Zeit ein Dauerthema. Zahlreiche Ansätze werden diskutiert, einige umgesetzt, viele verworfen. Kinder mit Migrationshintergrund haben häufig Förderungsbedarf und müssen unterstützt werden. Die Kulturbrücke Hamburg e.V. wählt einen besonderen Ansatz: Menschen aus anderen Kulturen, fremden Ländern und mit anderen Gebräuchen sind spannend und bereichern unsere Gesellschaft. Allein in Hamburg leben Menschen aus 186 Nationen. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, die schon mehr als 600 Kinder auf "Weltreise" schickte. "Switch – in 4 Tagen um die Welt" heißt das Projekt des Vereins. Die Organisatoren stellen während der Sommer- und Weihnachtsferien Gruppen aus jeweils vier Kindern verschiedenster Nationen zusammen, die sich dann tageweise gegenseitig besuchen. Jeder Switch-Teilnehmer hat die Aufgabe, seine Heimat bzw. sein Land vorzustellen. Die Teams sind international zusammengestellt, lediglich Deutschland ist als Nation immer vertreten.

Die gebürtige Iranerin Hourvash Pourkian, Vorstand im Verein Kulturbrücke Hamburg, hat schon als Kind entdeckt, wie aufregend und interessant Menschen anderer Länder sein können, als sie gemeinsam mit ihren Brüdern in der iranischen Hauptstadt bei einer japanischen Familie eingeladen war. "Bunte Schirme hingen von der Decke, wir aßen rohen Fisch (Sushi), lauschten den ungewöhnlichen Wortlauten und bestaunten die fremde Einrichtung", berichtet die Initiatorin von Switch. Diese Erinnerungen trug die Unternehmerin in ihrem Herzen: "Aus einem anderen Land zu kommen, ist nichts Schlimmes, im Gegenteil, wir haben viel zu erzählen und zu berichten. Es gilt, die Angst vor dem Fremden und dem Anderen abzubauen". Genau das ist der Ansatz, den der Verein seit 2006 mit dem Projekt Switch – in 4 Tagen um die Welt verfolgt.

Und so waren im vergangenen Jahr über die Weihnachtstage rund 50 Kinder und Jugendliche auf "Weltreise". Schon beim Kennenlerntreffen am 13. Dezember 2009 im Atrium der HanseMerkur Versicherungsgruppe ging es bunt zu, als die Viererteams vorgestellt und zusammengeführt wurden. Mit dabei waren Emira, Ömer, Robert und Laura. Das internationale Quartett im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren durfte nach Tunesien, in die Türkei, nach Deutschland und Italien reisen. Ein vielfältiges Programm hatten die Vier für ihre Mitreisenden zusammengestellt: Am ersten Tag ging es nach Nordafrika. Nachdem alle unter der fachkundigen Anleitung von Emira in landestypische Gewänder eingekleidet worden waren, machten die Kinder sich in der Küche an die Vorbereitung tunesischer Speisen. Neben Couscous und Lamm probierte man die verschiedenen Gewürze des Maghreb-Landes. Der türkische Ömer besuchte mit seinen drei neuen Freunden nicht nur einen türkischen Bazar, sondern auch eine Moschee. Ein Mitarbeiter des Imams führte das Switch-Team durch die Räume und erklärte die Riten und Bräuche des Islams.

Und genau das ist es, was Hourvash Pourkian und ihre Mitstreiter erreichen wollen. Unter dem Motto: "Fremde sind Freunde, die wir nur noch nicht kennen", agiert die Beraterin des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust im Integrationsbeirat. "Die Kulturen sind direkt vor unserer Tür. Wir müssen nur anklopfen. Unser Ziel ist es, Toleranz und Verständnis für die Andersartigkeit aufzubauen und schon in der Kindheit die Neugierde für andere Kulturkreise und Menschen anderer Herkunft zu wecken. Wir wollen positive Erinnerungen an das Fremde schaffen", so Pourkian weiter.

Dass dies gelingt, zeigen die leuchtenden Augen der Switch-Kinder. Robert führt seine Gruppe auf der "Weltreise" in einen deutschen Wald. Am Lagerfeuer gibt es Bratwurst mit Kartoffelsalat. Gemeinsam erkunden die Vier die Waldhütte und genießen das Toben im heimischen Gehölz. Wie bunt unsere Welt ist, erleben auch die Kinder-Reporter, die als Kamerateam die schönsten Momente festhalten. "Leider ist es noch immer so, dass wir nicht alle deutschen Kinder in Teams unterbringen können", erläutert Petra Vaessen, ebenfalls Mitglied im Vorstand von Kulturbrücke Hamburg e.V. "Darum fassen wir diese Kids in Reporter-Teams zusammen, die dann die ¿Weltreisenden' besuchen und begleiten", so Vaessen weiter. Die vielen hundert Stunden Filmmaterial werden in einem Profi-Studio zusammengeschnitten und regelmäßig beim Hamburger Stadtsender TIDE TV ausgestrahlt.

Das Projekt Switch, das unter der Schirmherrschaft von Hamburgs Zweiter Bürgermeisterin Christa Goetsch steht, ist für Kinder von neun bis 14 Jahren kostenlos. Switch-Paten sind unter anderem der HSV-Profi Romeo Castelen und die Soulsängerin Indra Afia.

Die Kulturbrücke Hamburg e.V. erhält für das herausragende Völkerverständigende Jugendprojekt Switch – in 4 Tagen um die Welt, das seit 2009 auch in Lübeck und bald ebenso in Berlin angeboten wird, den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2009 (Hauptpreis), der mit 20.000 Euro dotiert ist.

Kontakt: Kulturbrücke Hamburg e. V., Hourvash Pourkian und Petra Vaessen, An der Alster 25, 20099 Hamburg, Tel.: 040/37517373, Fax: 040/37517376; E-Mail: info@kulturbrueckehamburg.de, Internet: www.switchdeutschland.de

Kulturbrücke Hamburg e.V. Projekt "Switch"

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