Kinder haben ein Recht auf Bildung
Engagierte Jugendliche von JuKi – Jugend für Kinder aus Bietigheim-Bissingen mit dem HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2009 (Anerkennungspreis) ausgezeichnet
29. Januar 2010 – JuKi – Jugend für Kinder bedeutet Hilfe und Unterstützung von Kindern für Kinder. JuKi, das sind Julika, Janine, Özhan, Oliver und sechs weitere Mitstreiter. Die Schülerinnen und Schüler sind zwischen elf und 14 Jahre alt. Sie gehen in Kindergärten, Büchereien sowie auf Stadtfeste, um vorzulesen und zu spielen. Immer mit dem Ziel, Chancengleichheit, unabhängig von Nationalität, sozialer Herkunft oder dem Einkommen der Eltern, herzustellen. Die Kids wissen, dass die deutsche Sprache der Schlüssel für den Zugang zur Bildung ist.
Julika Pfeiffer war erst elf Jahre alt, als sie beschloss, anderen zu helfen. Zunächst wurde sie UNICEF-Jugendbotschafterin und setzte sich für Kinderrechte ein. Schnell erkannte sie, dass es vielen Kindern nicht so gut ging wie ihr. Und der Entschluss reifte, mehr als nur Spenden sammeln zu wollen. Julikas Mutter, Sozialpädagogin und Familientherapeutin, gab den entscheidenden Impuls, direkt in Ludwigsburg aktiv zu werden. Zwar liegt hier die Arbeitslosenquote bei nur 4,9 Prozent (November 2009) und mit rund 160.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten besitzt der Landkreis heute nach der Landeshauptstadt Stuttgart und dem Landkreis Esslingen den größten Arbeitsmarkt in der Region. Einer der räumlichen Schwerpunkte liegt dabei sogar in Bietigheim-Bissingen.
Doch nicht alles was glänzt, ist Gold im Schwabenländle. Und so finden sich auch hier Stadtteile mit "besonderem Erneuerungsbedarf". Einer davon ist Grünbühl-Sonnenberg. Dreh- und Angelpunkt für die Kleinen ist die städtische Kita "Am Sonnenberg". 75 Kinder haben hier Platz, doch nur eines von ihnen kommt aus Deutschland. "Wie sollen diese Jungen und Mädchen Deutsch lernen, wenn zuhause nur türkisch, polnisch oder russisch gesprochen wird?", fragte sich Julika. Ihr Plan stand fest. Die UNICEF-Jugendbotschafterin wollte genau hier helfen und in einem sozialen Brennpunkt direkt in ihrer Nachbarschaft das Recht auf Bildung durchsetzen. Gemeinsam mit ihrer Freundin Kira gründete sie die Initiative JuKi – Jugend für Kinder.
Der Kontakt zur Kita war schnell hergestellt. Fortan gingen die JuKis, wie sie sich selber nennen, in ihren Ferien bis zu dreimal in der Woche in die Einrichtung, um mit den Kindern zu spielen, ihnen vorzulesen und die deutsche Sprache zu vermitteln. Das Projekt wuchs. Es warteten viele Aufgaben auf die jungen Ehrenamtlichen, und sie suchten sich weitere Mitstreiter. Die JuKis sammelten Spenden, recherchierten im Internet nach Quellen für zweisprachige Bücher, kauften Spiele und fanden im Mehrgenerationenhaus in Ludwigsburg einen Raum, in dem alles gelagert und die monatlichen Besprechungen abgehalten werden konnten. "Viele haben zuhause keine Bücher, waren noch nie in einer Bibliothek, und noch nie hat ihnen jemand vorgelesen", berichtet der elfjährige Özhan. "Die Eltern können nichts dafür, sie können selber kaum oder gar kein Deutsch. Viele von ihnen müssen arbeiten und haben nur wenig Zeit, die Sprache zu lernen. Eltern können ihren Kindern aber nur beibringen, was sie selber können", so das jüngste JuKi-Mitglied weiter.
Mittlerweile begeistern die engagierten Jugendlichen Zwei- bis Sechsjährige aus drei Kindertagesstätten für die deutsche Sprache. Sie legen Bibliotheken und Spielesammlungen an. Zwei weitere Einrichtungen aus sozialen Brennpunkten haben bei der Initiative schon um Unterstützung nachgefragt und stehen auf der Warteliste.
Außerhalb der Ferien übernehmen die jungen Ehrenamtlichen auch
Patenschaften. Sie begleiten Kindergartenkinder aus Zuwandererfamilien bei der Vorbereitung auf ihre Schullaufbahn oder helfen bei den Hausaufgaben. Die JuKis wissen, dass gerade der Start in die Grundschule für Kinder mit Migrationshintergrund eine Herausforderung ist. Schon im ersten Schuljahr werden die Weichen für die künftige Schulkarriere gestellt. Verständigungs- und Sprachschwierigkeiten sind oft der Grund für die Rückstufung bereits in den ersten Monaten ihrer Bildungslaufbahn und für den Verweis auf eine Förderschule. Darunter schlaue und intelligente Kinder, die es vielleicht weit gebracht hätten. "Mit unseren zweiwöchentlichen Besuchen versuchen wir dem vorzubeugen", erklärt die vierzehnjährige Julika den Förderansatz der JuKis.
Vermittelt und vorbereitet werden die Patenschaften über die Erzieherinnen aus Kitas, in denen die Initiative aktiv ist. "Wenn wir eine Patenschaft übernehmen, wissen wir genau, was wir machen müssen.
Die Kindergärtnerinnen bereiten uns sehr gut vor", so Julika weiter. Die
JuKis nehmen sich Zeit. Spielerisch werden Defizite aufgearbeitet. Es wird erklärt – und natürlich deutsch gesprochen. Häufig geht der Einsatz über die Einschulung hinaus. "Am Anfang sind die Eltern oft skeptisch. Doch das gibt sich schnell", berichtet Julika, die am liebsten vorliest. "Die Kinder mögen uns. Und die Sprachfähigkeit verbessert sich rasant".
Für den engagierten Einsatz erhält JuKi – Jugend für Kinder den
HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2009 (Anerkennungspreis), der mit 10.000 Euro dotiert ist.
Kontakt:
JuKi ¿ Jugend für Kinder, Julika Pfeiffer, Monreposstraße 10,
74321 Bietigheim-Bissingen, Tel.: 07142 /773460, E-Mail: juki@kifa.de, Internet: www.kifa.de/juki